Karriereschema für das wissenschaftliche Personal

Karrieremöglichkeiten

  1. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs werden gemäß dem Kollektivvertrag für ArbeitnehmerInnen der Universitäten Karriereperspektiven im Rahmen eines Schemas angeboten, das leistungsorientiert aufgebaut ist und gleichzeitig die Aspekte des Gender Mainstreamings und der Frauenförderung berücksichtigt. So wird den betroffenen wissenschaftlichen MitarbeiterInnen schon einige Jahre vor Ablauf ihres befristeten Vertrages als Facharzt/Fachärztin oder Post-Doc Klarheit verschafft, unter welchen Voraussetzungen die Verlängerung ihres Arbeitsvertrages grundsätzlich möglich ist, und ob diese MitarbeiterInnen in ein Laufbahnschema übernommen werden können. Denn für die MedUni Wien ist es wichtig, für Forschung und Lehre Hochtalentierte möglichst frühzeitig zu fördern und ihnen zu signalisieren, dass man sie bei adäquater Leistungserbringung an der Universität halten will. Ziel ist es, diesen WissenschafterInnen eine umfassende Qualifizierung zu ermöglichen und sie letztlich „professorabel“ zu machen.
  2. Darüber hinaus ist die Erlangung einer Professur gemäß §§ 98 oder 99 Abs 1 UG auch für bereits an der MedUni Wien angestellte wissenschaftliche MitarbeiterInnen möglich. Nichts destoweniger unterliegen diese Positionen einer internationalen Ausschreibung, § 98-Professuren erfordern außerdem eine Widmung im Entwicklungsplan. Eine an einer anderen wissenschaftlichen Einrichtung – vorzugsweise im Ausland – verbrachte Tätigkeit wird für die Erlangung einer solchen Professur jedenfalls erforderlich sein.




Vorgangsweise zu A: Qualifizierungsvereinbarungen im Rahmen des Kollektivvertrags (KV) für ArbeitenehmerInnen der Universitäten

Ein wesentlicher Bestandteil des unter A) genannten Karriereschemas ist die vorherige Ein-bindung in die Doktoratsprogramme der MedUni Wien (Abschluss PhD oder Dr. scient. med.), die der Rekrutierung und Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses dienen sollen. Eine wissenschaftliche Karriere und damit der längerfristige Verbleib an der MedUni Wien muss für AbsolventInnen der Diplomstudien Humanmedizin und Zahnmedizin – aber auch für Absolvent-Innen eines anderen Studiums – jedenfalls den Erwerb eines inländischen Doktorats gemäß § 54 Abs 4 UG oder eines vergleichbaren ausländischen Doktorats zur Voraussetzung haben. Ein Doktoratsstudium nimmt mindestens drei Jahre in Anspruch. Wie im Curriculum speziell für das PhD‐Studium festgehalten ist, soll die Zeit einer PhD-Ausbildung im Rahmen einer Anstellung und zum Betreiben eines wissenschaftlichen Projekts verbracht werden

AbsolventInnen eines Doktoratsstudiums früherer Studienordnungen (insbesondere das 2001 letztmalig angebotene Doktoratsstudium der Medizin A201/N201) müssen kein Doktoratsstudium gemäß § 54 Abs 1 UG (Dr.scient.med./PhD) absolvieren. Eine vergleichbare Qualifikation in der Forschung muss allerdings vorhanden sein.


Nach Erwerb des Doktorats und – bei ÄrztInnen – spätestens bis Ende des dritten Jahres in einer ein Doktorat erfordernden ärztlichen Stellung hat die MedUni Wien zu entscheiden, ob diesen ÄrztInnen der Abschluss einer Qualifizierungsvereinbarung angeboten werden soll. Bei nicht-ärztlichen wissenschaftlichen MitarbeiterInnen muss diese Entscheidung bereits bis Ende des zweiten Jahres als Post-Doc fallen. In beiden Fällen soll das Qualifizierungsziel noch innerhalb der befristeten Anstellung erreicht werden, wodurch dann eine Verlängerung des zunächst zeitlich befristeten Dienstverhältnisses in ein Dienstverhältnis auf unbestimmte Zeit bewirkt wird.
Auf diese Weise wird eine Karriereplanung möglich, die einerseits die Aspekte der Personalentwicklung in Bezug auf Entwicklungsplan und Frauenförderung, andererseits das Profil der Organisationseinheiten, die Bedarfsplanung an jeder Organisationseinheit (d.h. Festlegung der Anzahl von Dauerstellen für in Forschung und Lehre Hochtalentierte und "staff physicians" [s.u.], Verhältnis der FachärztInnen zu ÄrztInnen in Ausbildung, etc.) sowie die Qualität der dort beschäftigten WissenschafterInnen berücksichtigt und individuelle Karriereperspektiven schafft.
Innerhalb einer Organisationseinheit sind folgende Eckpunkte die Grundlage für den Abschluss von Qualifizierungsvereinbarungen:

 

1. Bedarf entsprechend interner Strukturplanung:

  • Begründung des Bedarfs an unbefristet beschäftigen MitarbeiterInnen auf Basis der Aufgaben in Forschung, Lehre und PatientInnenversorgung; in der Forschung soll eine Einbindung in die Cluster und Forschungsschwerpunkte gemäß Entwicklungsplan gewährleistet sein;
  • Übereinstimmung mit dem festgelegten Stellenplan, der mit dem Rektorat für jede Organisationseinheit im Rahmen einer Zielvereinbarung festzulegen ist, und in dem für jede Organisationseinheit die Zahl von unbefristet besetzten wissenschaftlichen Positionen vereinbart wird (Definition von Rotationsstellen und Dauerstellen);
  • Verträglichkeit mit dem Stellenprofil der Organisationseinheit insbesondere in dem Sinne, dass noch eine ausreichende Zahl an Ausbildungsstellen vorhanden ist;
  • Beachtung der Relation zwischen FachärztInnen und ÄrztInnen in Facharzt-Ausbildung (Einhaltung des ärzterechtlichen "1:1-Prinzips");
  • Beachtung des Frauenförderplans.

2. Widmungsgemäße Ausschreibung der Stelle bzw. Erfüllung des Anforderungsprofils laut Ausschreibung:

  1. Für ÄrztInnen in FA-Ausbildung ist spätestens ein Jahr vor Abschluss der Ausbildung in einem MitarbeiterInnengespräch, das der/die Klinikleiter/in mit de/m/r betreffenden Arzt/Ärztin zu führen hat, festzulegen, ob (i) eine Übernahme auf eine FA-Stelle unmittelbar nach Erlangung der FA-Befugnis erfolgen soll und (ii) damit eine Karriereperspektive bei Bewährung verbunden ist („Karrieregespräch“). Das Ergebnis des MitarbeiterInnengesprächs ist dem Rektor mitzuteilen, der die nachfolgende FA-Position so rechtzeitig auszuschreiben hat, dass sie – Besteignung de/s/r betreffenden Arztes/Ärztin vorausgesetzt – nahtlos mit diese/m/r besetzt werden kann. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass keine Rechtsanspruch auf die Übernahme auf eine FA-Stelle besteht. Sollte zum Zeitpunkt der Aufnahme auf eine Ausbildungsstelle ein abgeschlossenes Doktoratsstudium vorliegen (PhD, Dr.scient.med. oder ein vergleichbarer internationaler Abschluss), kann eine Qualifizierungsvereinbarung bis zum Abschluss des dritten Ausbildungsjahrs angeboten werden.
  2. Für FachärztInnen: Ausschreibung einer Facharztstelle, für die ein spezifisches Anforderungsprofil definiert worden ist, das die Möglichkeit des Angebots einer Qualifizierungsvereinbarung bei Bewährung aufzeigt und als Aufnahmevoraussetzung – neben der Berufsberechtigung als Facharzt/ Fachärztin – entweder (i) ein abgeschlossenes Doktoratsstudium oder (ii) einen vergleichbaren internationalen Abschluss festlegt; gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass in diesem Stadium kein Rechtsanspruch auf Verlängerung einer befristeten Position besteht.
  3. Für zahnärztliche Positionen: Ausschreibung einer befristet zu besetzenden Zahnarztstelle, für die ein spezifisches Anforderungsprofil definiert worden ist, das mögliche Karriereperspektiven bei Bewährung aufzeigt und als Aufnahmevoraussetzung entweder (i) ein abgeschlossenes Doktoratsstudium oder zumindest die Absolvierung dessen curricularen Teils (PhD oder Dr.scient.med.) oder eines vergleichbaren internationalen Abschlusses festlegt oder (ii) eine Doktoratsausbildung im Rahmen der Zahnarztstelle anbietet; gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass in diesem Stadium kein Rechtsanspruch auf Verlängerung einer befristeten Position besteht.
  4. Für nicht-ärztliche Positionen: Ausschreibung als befristet zu besetzende "Post-Doc"-Stelle, d.h. hier wird für die Erstanstellung eine Qualifizierung in Form eines erfolgreich absolvierten Doktoratsprogramms einer österreichischen Universität oder ein vergleichbarer internationaler Abschluss vorausgesetzt.

3. Abschluss einer Qualifizierungsvereinbarung:

  1. Zeitpunkt: Der Abschluss der Qualifizierungsvereinbarung kann erst nach Erlangung des Doktorats (bei MedizinerInnen PhD, Dr.scient.med. oder vergleichbarer internationaler Abschluss) erfolgen, das bereits bei Stellenantritt vorliegen muss (Ausnahme sind zahnärztliche Positionen, s.o.). Bei ÄrztInnen und ZahnärztInnen ist der Abschluss einer solchen Vereinbarung spätestens bis Ende des dritten Jahres, bei Nicht-ÄrztInnen spätestens bis Ende des zweiten Jahres als Post-Doc möglich; in beiden Fällen jedenfalls so rechtzeitig, dass die Qualifizierung während der – in der Regel befristeten – Vertragsdauer möglich ist.
  2. Qualifikationskriterien: Für eine Qualifizierungsvereinbarung gelten die im Anhang genannten Qualifikationskriterien.
  3. Ziel: Erreichen der Professorabilität
  4. Dauer: Die Qualifizierungsperiode beträgt in der Regel drei Jahre, nach 1½ Jahren findet eine Zwischenevaluierung statt.
  5. Rechte:
    • Einräumung ausreichender Zeit für das Erreichen der vereinbarten Qualifikation;
    • Förderung während der Qualifizierungsphase
  6. Vorgangsweise: Mit der Leitung jeder Organisationseinheit legt das Rektorat einen Stellenplan für den Zeitraum 1.1.2013 - 31.12.2015 fest. Für das wissenschaftliche Personal müssen dafür einerseits die Zahl der ÄrztInnen in Ausbildung und der FachärztInnen, andererseits die Zahl der befristet und unbefristet angestellten MitarbeiterInnen am Beginn und am Ende dieser Periode festgelegt werden. Daraus ergibt sich auch die Zahl der in diese Periode fallenden Qualifizierungsvereinbarungen (= interne Strukturplanung). Innerhalb dieser Gesamtzahl erfolgt vom Rektor jedes Jahr (= dreimal pro LV-Periode) für die in Frage kommenden Organisationseinheiten eine interne Ausschreibung („Call“) entsprechend § 46 Z 1 KV. Nach Bewerbungsende gibt der/die LeiterIn der jeweiligen Organi- sationseinheit eine Stellungnahme zu den Bewerbungen ab, die dann – gemeinsam mit den Bewerbungen – dem Rektor vorgelegt wird. Dieser bedient sich für die Letztentscheidung eines beratenden Gremiums, dem die Vorsitzenden von Betriebsrat und Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen sowie die für Forschung, Lehre und Personalentwicklung zuständigen Rektoratsmitglieder angehören.
  7. Evaluierung: Im Rahmen eines Evaluierungsverfahrens wird festgestellt, ob und inwieweit der/die wissenschaftliche Mitarbeiter/in die in der Qualifizierungsvereinbarung festgelegten Kriterien erfüllt. Die Qualifizierung (oder gegebenenfalls deren Ablehnung) ist vom Rektor nach Anhörung des unter f) genannten Beratungsgremiums auszusprechen.
  8. Rechtsfolgen bei Erfüllung
    • Verlängerung des bisher befristeten Dienstverhältnisses auf unbestimmte Zeit
    • Titel "Associate Professor"
    • höheres Entgelt
    • Recht auf eigenverantwortliche Ausübung von Forschung und Lehre
  9. Rechtsfolgen bei Nichterfüllung: Auslaufen des Dienstverhältnisses bzw. Kündigungsgrund für die Universität, wenn bereits ein unbefristetes Dienstverhältnis vorliegt.
  10. Dienstpflichten: Dienstpflichten sind Forschung, Lehre und Verwaltungstätigkeit; bei klinisch tätigen ÄrztInnen auch die Erfüllung der ärztlichen Aufgaben im Rahmen einer Krankenanstalt. Die nähere Festlegung und das jeweilige Ausmaß dieser Dienstpflichten sind nach Maßgabe des Arbeitsvertrages in den Zielvereinbarungen oder im Rahmen der MitarbeiterInnengespräche mit den MitarbeiterInnen festzulegen.

4. "Staff Physicians"

Für qualifizierte Fachärzte und Fachärztinnen, auch wenn kein Doktorat vorliegt, soll es unabhängig vom Karierreschema für das wissenschaftliche Universitätspersonal die Möglichkeit geben, diese bei entsprechendem Stellenplan als "Staff Physicians" unbefristet anzustellen. Voraussetzungen für eine mögliche Anstellung als “Staff Physician“ sind:

  1. Bedarf entsprechend interner Strukturplanung, dabei ist auf eine Verhältnismäßigkeit zum wissenschaftlichen Modell zu achten;
  2. hohe klinische Qualifikation;
  3. didaktische Qualifikation für die medizinische Lehre
  4. abgeschlossene Facharztausbildung.

es gelten die Kriterien gemäß lit e im Anhang (mit Ausnahme der Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten).


Die Dienstpflichten der “Staff Physicians“ beinhalten demnach Aufgaben in ärztlicher Versorgung und in der Lehre, fakultativ auch im Qualitätsmanagement . Näheres bzw. Details dazu sind nach Maßgabe des Arbeitsvertrages in den Zielvereinbarungen oder im Rahmen der MitarbeiterInnengespräche mit den MitarbeiterInnen festzulegen.
Sollten in Einzelfällen auch nichtärztliche "Staff Scientists" (gem. KV "Senior Scientists" bzw. "Senior Lecturer" genannt) erforderlich sein, gelten die unter 4a) - 4c) genannten Kriterien sinngemäß. Staff Physicians, Senior Scientists bzw. Senior Lecturers erhalten unabhängig von ihrer kollektivvertraglichen Einstufung ein monatliches Entgelt im Ausmaß von § 49 Abs 3 lit b KV (allfällige Zulagen gemäß KV bleiben davon unberührt).

5. Inkrafttreten des Karriereschemas

Das vorliegende modifizierte Karriereschema gilt für Einreichungen ab 1. Januar 2014.

6. "QuereinsteigerInnen"

Für „QuereinsteigerInnen“ (Personen, die davor nicht an der Medizinischen Universität Wien beschäftigt waren) gelten ebenfalls alle genannten Eckpunkte des Karrieremodells.

7. Bericht

Jede/r Leiterin/ Leiter einer Organisationseinheit hat nach 1½ Jahren und nach Abschluss der Zielvereinbarungsperiode einen Bericht über den Erfüllungsgrad der Qualifizierungsvereinbarungen an der betreffenden Organisationseinheit zu erstellen und an den Rektor zu übermitteln.