Studienplätze Humanmedizin: 20 Plätze mehr und Quote für das Bundesheer

Der für den Sommer geplante Aufnahmetest für das Medizinstudium an den öffentlichen österreichischen Universitäten (MedAT) wirft schon jetzt seinen Schatten voraus und dürfte damit auch heuer ein Garant für mediale Aufmerksamkeit sein.
War der MedAT im vergangenen Jahr durch einen 120-seitigen Rechnungshofbericht in die Schlagzeilen geraten, bei denen auch die MedUni Wien nicht gut wegkam (siehe in unserem Blog: Rechnungshof zu Med-AT: schwere Malversationen), zeichnet sich für das Jahr 2022 ein neues Highlight ab.
In einem Testumfeld, in dem durchschnittlich etwa 10 StudienwerberInnen in einem hoch kompetitiven Verfahren um einen Studienplatz rittern und man gebetsmühlenartig die Gerechtigkeit und Objektivität des Auswahlverfahrens betont und ein Auslaufen der bestehenden Quotenregelung fürchtet, wird nun eine eigene Unterquote für das Österreichische Bundesheer (!) eingeführt. Damit verbunden: eine erleichterte "Bestehensgrenze" für dieses Klientel, in der Form, dass hier für ein Maximalkontingent von 10 vom Bundesheer namhaft gemachten Personen eine "Bestehensgrenze" gilt, welche über oder gleich dem Gesamtergebnis von 75% der angetretenen StudienwerberInnen liegt.

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Leistungsvereinbarungen: für MedUnis im Schnitt +14%

Der Abschluss der Leistungsvereinbarungen (also die Verhandlungen der jeweiligen universitären RektorInnen mit dem Minister) der 22 öffentlichen Universitäten Österreichs bringt diesen für den Vereinbarungszeitraum der nächsten drei Jahre einen Gesamtbetrag von 12,3 Milliarden Euro – und damit ein Plus von 1,3 Milliarden Euro gegenüber der vorangegangenen Periode.
Auf die einzelnen Hochschulen verteilt, liegt die Erhöhung zwischen rund 9% und 17%. Wohl im Wesentlichen als Folge der Corona-Pandemie steigen die medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck (im Durchschnitt +14%, Graz hier allerdings als Spitzenreiter mit +17%) hier überdurchschnittlich aus den Verhandlungen aus. Ihnen gesteht Minister Polaschek "einen besonderen Stellenwert" zu, nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass in diesem Feld mehr Schwerpunkte gesetzt werden müssen.

Dieser Fokus auf die medizinischen Universitäten schlägt sich in neu zu schaffenden Professuren nieder: derer 60 sollen in den nächsten 3 Jahren geschaffen werden:

  • MedUni Wien (12)
  • MedUni Graz (6)
  • MedUni Innsbruck (6)
  • Med. Fakultät Linz (3)
  • VetMed Wien (3)

Verbunden damit: ein neu zu schaffendes "Ignaz-Semmelweis-Institut" nach dem Vorbild des deutschen Robert-Koch-Instituts. Es soll (auch) als Berater der Politik fungieren und einen Ansprechpartner für die Bereiche Epidemiologie, Infektiologie sowie Public Health darstellen. Dadurch möchte man "für ausgewählte medizinische Herausforderungen der kommenden Zeit gerüstet" sein.

Interessantes Urteil zur Weitergabe fremder Lehrmaterialien

Ein interessantes Urteil fällte der oberste Gerichtshof in einem vor dem Handelsgericht begonnenen Rechtsstreit um die Weitergabe fremder Lehrinhalte – eine Thematik, der sich auch die MedUni Wien in Zukunft verstärkt stellen wird (müssen).
Die Ausgangslage im hier geschilderten Rechtsstreit: Eine WU-Studentin bezahlte bei einem "Lernanbieter" den Zugang zu vier Online-Kursen – zur Vorbereitung auf die Mathematikprüfung in der Studieneingangsphase.
Diese Inhalte bot die Studierende dann in zwei geschlossenen Facebook-Gruppen ihren KollegInnen unentgeltlich an.
Die betroffene Firma klagte, sie habe aufgrund des Verhaltens der Studierenden einen drastischen Umsatzrückgang erlitten; in der Folge wurde die Studierende wegen Verletzung von Urheberrechten und des abgeschlossenen Vertrags zur Zahlung von 15.000 Euro Schadenersatz verurteilt.

So weit, so plausibel. Allerdings: die klagende Firma hatte gar kein Urheberrecht an den Unterlagen sondern die Inhalte aus einer universitären Vorlesung ungefragt "übernommen".
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UG-Novelle scheitert im Bundesrat

Die hoch umstrittene Novellierung des Universitätsgesetzes (UG) fand aber am 30. März keine Mehrheit im Bundesrat, womit sie vorerst nicht in Kraft treten kann. Das Veto der Länderkammer führt de facto nur zu einer Verzögerung, indem die Novelle erst mit acht Wochen Verzögerung kundgemacht werden kann. (am 25. März war sie mit den Stimmen der Regierungskoalition verabschiedet worden).
Diskussions- und Kritikpunkte im Bundesrat waren im Wesentlichen die in der Novelle verbindlich eingeforderten Mindeststudienleistungen, die für die Universitäten deutlich kritischeren Themen der Neufassung des § 109 (Kettenvertragsregelung) bzw. die Beschränkungen der universitären Autonomie erhielten wesentlich weniger Aufmerksamkeit.
Immerhin wurde ein im Zuge der Nationalratsdebatte über die UG-Novelle eingebrachter Entschließungsantrag einstimmig beschlossen, wonach dem Nationalrat spätestens nach acht Jahren (!!) eine Evaluierung des § 109 vorgelegt werden müsse.

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