Gehaltabschluss Universitätspersonal: plus 9.2% ab Februar

Am 18. Dezember 2023 wurde zwischen dem Dachverband der Universitäten und der Gewerkschaft öffentlicher Dienst (GÖD) eine Einigung zu den Gehältern des Universitätspersonals getroffen. Damit erhält das Universitätspersonal ab dem 1. Februar 2024 eine Lohnerhöhung von 9,2%.
Die Gehälter der Beschäftigten im Bereich der außeruniversitären Forschung steigen um 8,7 Prozent - mit 1. Jänner, was die direkte Vergleichbarkeit der Gehaltsabschlüsse erschwert.
Im kommenden Jahr sollen weitere Anpassungen am Kollektivvertrag vorgenommen werden um die universitären Arbeitsverhältnisse weiter zu attraktivieren und auch einige bestehende Probleme beseitigen zu können.

neuer Entwicklungsplan: was steht (nicht) drin?

Der vom Universitätsrat neu beschlossenen Entwicklungsplan der MedUni Wien für die Jahre 2025-2027 "mit strategischem Ausblick bis 2030" liegt nun vor und listet über 88 (lange) Seiten die Maßnahmen, Ziele und Vorhaben der Universität in ihren unterschiedlichen Aufgabenbereichen, welche vorbehaltlich budgetärer Bedeckung in den nächsten Jahren geplant sind.

im Schnelldurchlauf: Was findet sich in diesem Dokument (nicht)?

  • Nachbesetzungen und neue Professuren (2025-27) nach §98 UG: unten stehend angeführt
  • die Zukunft der Professuren im Rahmen des Karrieremodells nach §99 (4) UG:
    • eine Abkehr von den "Gruppen-Calls" hin zu gezielten Einzelausschreibungen.
    • erwähnt bleibt die neuerliche Möglichkeit eines "Professorinnen-Calls", angesichts der formulierten Zielvorgabe zum Anteil an Frauen in der Prof-Kurie (siehe nächster Punkt) bleiben dazu jedoch zentrale Fragen offen.
    • auch in diesem Entwicklungsplan erfolgte wieder eine kommentarlose Kürzung der Anzahl der Professuren im Bereich §99(4). Beim letzten Mal noch als redaktionelles Versehen bezeichnet (welches gleichwohl unkorrigiert blieb), handelt es sich um einen Verlust von zumindest 15 Stellen im Zeitraum bis Ende 2024.
  • das als Ziel formulierte "Überschreiten der 25% Marke von Frauen in der Personenkategorie der Universitätsprofessor:innen", welches laut Abb.4 des gleichen Entwicklungsplans aktuell bei 29% (sic!) liegt
  • die (recht unverbindlich formulierte) Übernahme eines Mittelbau-Vorschlags zur Etablierung eines strukturierten Austrittsprozesses und die Implementierung strukturierter Austrittsgespräche zur Erhebung der Austrittsgründe.
  • keine Umsetzung des Mittelbau-Vorschlags zur Etablierung von Nachwuchs-Forschungsthemen für ausgesuchte Bereiche mit hoher wissenschaftlicher und/oder gesundheitspolitischer Relevanz (exemplarisch vorgeschlagen waren Sexualmedizin, Sport in Prävention und Rehabilitation, Ernährung).
  • im Studium der Zahnmedizin:
    • die Absichtserklärung, dass einige Teile des 72-Wochenpraktikums im niedergelassenen Bereich absolviert werden könnten, sofern die Qualität der Ausbildung sichergestellt ist
    • die (keineswegs von der Studierendenvertretung, sondern vom Mittelbau) stammende Forderung nach einer Aufwandsentschädigung im 72 Wochen Praktikum analog zum KPJ der Humanmedizin findet sich nicht im Entwicklungsplan.
  • im allgemeinen Lehrteil einmal mehr der schöne Satz dass die "MedUni Wien über moderne Curricula mit hoher "Outcome"-Qualität" verfügt und ein erneutes Ignorieren der Forderung, dies auch durch entsprechende Maßnahmen zu erheben (bzw. zu belegen) - also an StudienabsolventInnen durchgeführte qualitative Erhebungen zur konkreten Erreichung der Lern- und Ausbildungsziele. Ebenso findet sich keine Absichtserklärung zur Etablierung Verständnis-basierter Prüfungen und einem Abrücken vom Altfragenlernen mit seinen erwiesenen fatalen Konsequenzen.

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MedAT: eine Quote für die Bundesländer

Kein Jahr ohne Aufregung um den Aufnahmetest für das Medizinstudium an den öffentlichen österreichischen Universitäten (MedAT). War der MedAT 2020/21 durch einen 120-seitigen Rechnungshofbericht in die Schlagzeilen geraten (siehe in unserem Blog: Rechnungshof zu Med-AT: schwere Malversationen), wurde 2022 ein eigenes Kontingent für das Österreichische Bundesheer geschaffen - ein Maximalkontingent von 10 vom Bundesheer namhaft zu machenden Personen, für welche eine reduzierte "Bestehensgrenze" gilt.
Wir berichteten dazu im Februar 2022 mit den Worten: "Dies ist an Absurdität kaum zu überbieten (wobei man mit solchen Aussagen vorsichtig sein muss)…".
WIE Vorsichtig man mit solchen Aussagen sein muss, zeigt die aktuelle Entwicklung wo nun (bislang als Fantasien der Landeshauptleute wahrgenommene) Forderungen nach der Einführung von "Bundesländer-Quoten" tatsächlich umgesetzt werden dürften – "Reservierte Medizin-Studienplätze gegen Ärztemangel".
Die unter dem Schlagwort des öffentlichen Interesses argumentierte Idee, über "gewidmete Studienplätze" und einen "Ausbildungszuschuss" diese (dann) Ärzte vertraglich an eine ärztliche Tätigkeit im jeweiligen Bundesland zu binden steht nicht nur im Widerspruch zu jedem Fairness- und Qualitätsanspruch, sondern stellt auch einen Störfaktor für zukünftige Verhandlungen zur Beibehaltung der "Österreicher-Quote" beim Aufnahmeverfahren dar. Dessen ungeachtet- diese Idee dürfte schon heuer umgesetzt werden. Vorarlberg freut sich medial schon über zwei (2) Plätze aus dieser Quote.

Sigmund Freud Privatuniversität erreicht Aufschub

Mit einem erfolgreichen Einspruch beim Bundesverwaltungsgericht hat die Sigmund Freud Privatuniversität erreicht, dass die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) nun einen neuen Bescheid auszustellen hat. Die AQ Austria habe im ursprünglichen Verfahren – welches zu einem Entzug der Zulassung des Medizinmasters aufgrund von Qualitätsmängeln führte - wichtige Unterlagen nicht ausreichend berücksichtigt. Der neue Bescheid müsse diese Unterlagen (auch) berücksichtigen.
Die AQ Austria erklärte, dass sie die Entscheidung des Gerichts zur Kenntnis nehme und erneut in das Akkreditierungsverfahren einsteigen würde – Dauer: vermutlich mehrere Monate.
Bis zur neuen Entscheidung behält der Masterstudiengang der SFU seine alte Akkreditierung, wodurch quasi in letzter Minute die Türe für die "frischen" Absolventen des Bacchelorstudiums geöffnet wurde und somit in wenigen Wochen neuerlich ein Jahrgang sein Masterstudium an der SFU beginnen kann, welcher im Fall eines neuerlichen Entzugs der Akkreditierung dann wohl wieder über eine "Teach Out"-Regelung dieses Studium dennoch an der SFU abschließen könnte.
Bislang hatte die SFU für diese "gestrandeten" Studenten ein "Brückenjahr" geplant, das es den neuen (eben nicht) Master-Studierenden ermöglichen sollte, Lehrgänge an der SFU zu absolvieren, die dann im Falle einer Reakkreditierung des Masters nachträglich angerechnet werden könnten – ein gewagtes Spiel, welches nun zumindest für ein Jahr nicht zur Anwendung kommt.

US-Universitäten: Affirmative Action unzulässig

Ein höchstgerichtlicher Beschluss hat die bisherige Praxis der Affirmative Action an US-Universitäten für verfassungswidrig erklärt. Universitäten könnten durchaus regulierende Aufnahmekriterien einsetzen, um manchen Bewerbern zu helfen – doch diese sollten sozioökonomisch gewichtet sein und nicht auf Basis von Hautfarbe oder Abstammung. Die gehandhabte Praxis stelle eine Diskriminierung gegenüber weißen und asiatischen Bewerbern dar und sei damit unzulässig.
N.b.: eine Beschwerde zur Diskriminierung asiatischer StudienwerberInnen, welche nach verschiedenen Untersuchungen im Universitätssystem „over-performer“ darstellen in Bezug auf die in Harvard angewandte Aufnahme-Praxis war 2018 mit der Begründung gescheitert, dass die Universität keine diskriminierende _Absicht_ habe und die Berücksichtigung der asiatischen Herkunft – „race“ - im Rahmen einer ganzheitlichen Bewertung zulässig sei.

Ausdrücklich weiterhin erlaubt bleiben abweichende und erleichterte Aufnahmebedingungen für Angehörige des US-Militärs, was einen gewissen Bezug zu MedUni Wien erlaubt, als eine derartige Sonderregelung ja seit 2022 auch für das heimische Medizinstudium eingeführt wurde.