eine kurze inhaltliche Wahlanalyse

Eine – abseits der Freude über das gute Abscheiden der AMM – inhaltliche Analyse der am 13. & 14. September stattgefundenen Wahlen an der MedUni Wien zeigt eine Reihe interessanter Zahlen:

Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung war trotz erstmaliger Möglichkeit zur Stimmabgabe per Briefwahl NIEDRIGER als bei den beiden vorhergehenden Wahlen:

Senat (AKG praktisch ident und daher nicht extra angeführt):

  • 2022: 22,5%
  • 2019: 25,14%
  • 2016: 24,33%


KA-AZG

  • 2022: 34,4%
  • 2019: 37,47%
  • 2016: 35,83%

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Teuerung frisst Uni-Budgets

Das für die laufende Leistungsvereinbarungsperiode (2022-2024) ausgehandelte Budget der heimischen Universitäten wies im Vergleich mit dem vorangehenden Zeitraum ein Plus von 12,5 Prozent auf und betrug stattliche 12.3 Mrd. Euro.
Angesichts der rasant steigenden Teuerung warnte die uniko bereits im April vor einem absehbaren Finanzloch von 475 Millionen Euro. Mittlerweile klafft zwischen zugesagten Mitteln und (nach)kalkulierten Kosten ein Budgetloch von 1.2 Mrd. Euro.
Hauptgründe sind neben den Teuerungen im Bereich der Mieten sowie der Energiekosten auch die – nachvollziehbar zu erwartenden – Steigerungen im Bereich der Personalkosten.
Insofern sieht die uniko den Ball "bei Finanzminister und Regierung sowie beim Nationalrat, der das Bundesbudget beschließt", es brauche zusätzliches Geld.
Ohne zusätzliche Finanzmittel droht ein Personal-Aufnahmestopp – in Deutschland wird stellenweise bereits diskutiert, aus Einsparungsgründen wieder auf Distanzlehre zu setzen um die (ansonsten) für den Lehrbetrieb genutzten Räume nicht heizen bzw. reinigen zu müssen.

Ein Jahr vor Start: TU Linz ohne Personal

Der neunköpfige Gründungskonvent der geplanten TU Linz steht nun personell fest, die Entsendungen erfolgten getrennt durch Wissenschaftsministerium, Klimaministerium, dem Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung sowie durch das Land Oberösterreich.
Die konstituierende Sitzung des Gründungskonvent soll Anfang Oktober stattfinden und dieser sodann eine Gründungspräsidentin bzw. einen Gründungspräsidenten wählen.
Als dringlichste Aufgaben nach der Etablierung des Gründungskonvents gelten die Erstellung von Curricula und die Bestellung der für Lehre und Forschung verantwortlichen ProfessorInnen – bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die (setzen wir es einmal in Klammer) "Universität" bereits im kommenden Studienjahr (also 2023/2024) ihren Betrieb aufnehmen soll. Entsprechend stimmt Polaschek medial bereits auf "verkürzte Berufungsverfahren" der zu bestellenden ProfessorInnen ein….

Desaströses Akkreditierungsgutachten zur SFU

Sieben Jahre nachdem die Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU) sich in die (in Österreich erstaunlich große) Reihe der privaten Anbieter eines Medizinstudiums (Human- und Zahnmedizin) einreihte, zerpflückt ein Gutachten der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ) den von der SFU stets offensiv beworbenen Qualitätsanspruch.
Das Akkreditierungsverfahren erstreckt sich auf Zulassung der gesamten Universität, die im medizinischen Bereich vorliegenden Beanstandungen verdienen jedoch besondere Beachtung. So sieht die AQ den Personalstand als zu niedrig an – dieser ist seit der Etablierung des Studiums weitgehend unverändert, obwohl sich die Anzahl der zugelassenen Studierenden verdreifacht habe. Dies führe nun dazu, dass "Kleingruppenunterricht am Krankenbett für die Vielzahl an Studierenden der Privatuniversität nicht systematisch möglich ist".
Das 120 (!) m2 große "Forschungslabor" sei für "Forschungsleistung auf einem national und international konkurrenzfähigen Niveau" nicht geeignet, die "Publikationsleistung im Vergleich zu anderen Medizinischen Fakultäten im deutschsprachigen Raum sehr limitiert".
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Sönnichsen: Er ist wieder da

Wie ein Blick in das Personalverzeichnis der MedUni Wien bestätigt, ist Andreas Sönnichsen wieder im Personalstand – die Universität hat in dem nach der ausgesprochenen Kündigung folgenden arbeitsrechtlichen Verfahren offenbar – und das recht zügig - einen Vergleich geschlossen, Sönnichsen führt weiter/wieder den Titel eines Universitätsprofessors, bleibt allerdings sämtlicher dienstlicher Aufgaben entbunden.
Sönnichsen war bei seiner Berufung 2018 quasi als Geschenk dem Zentrum für Public Health zugeordnet worden – im zugrundeliegenden Entwicklungsplan (auf den n.b. auch das Berufungsverfahren abgestimmt war), war für diese Stelle eine Teilzuordnung an die Universitätsklinik für Notfallmedizin vorgesehen. Dabei war die Professur explizit "der ersten ärztlichen Hilfe von NotfallpatientInnen" zugedacht.
Im Zuge der COVID-19 Pandemie erreichte Sönnichsen dann größere Bekanntheit durch seine ausgeprägte Maßnahmen- und Impfstoffkritik, welche in der Folge auch zu (versuchten) Abstechern in die Politik führte.
An der MedUni Wien machte er im Unterricht aus seiner Meinung kein Hehl, dass die Hygienemaßnahmen und daraus folgenden Zugangsbeschränkungen für ungeimpfte Studierende rechtswidrig waren, konsequenterweise beriet er die betroffenen (ungeimpften) Studierenden dann auch, wie dagegen rechtlich vorzugehen sei.
Der Tatsache, dass die MedUni Wien in der Frage der nicht-Teilnahme ungeimpfter Studierender an Lehrveranstaltungen angesichts anwältlichen Drucks dann letztlich "umfiel", kann man so gesehen eine gewisse Pikanterie nicht absprechen...